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Primärprävention: Textauszug aus Gutachten 2007 des Sachverständigenrats Gesundheit

VORBEMERKUNG von Soziales Dorf
6. Primärprävention in vulnerablen Gruppen
Primäre Prävention überwiegend außerhalb
des medizinischen Versorgungssystems

Konzentration auf gefährdete Gruppen
Nicht auf Etabliertes beschränken: "Experimente müssen zugelassen sein."
Primärprävention mit Arbeitslosen
Arbeitslosentreffs und Nachbarschaftszentren, Entstigmatisierung
Primärprävention mit sozial benachteiligten alten Menschen
Primärprävention mit Obdachlosen
Verbesserung der HIV/Aids-Prävention
Herausforderungen für Politik, Praxis, Wissenschaft
Europäische Strategien gegen Ungleichheit von Gesundheitschancen
Praxisansätze in Deutschland
Forschung für die Prävention
Gesetzgebung
Mitglieder des Sachverständigenrates
QUELLENHINWEIS
Ein Auszug aus der Kurzfassung des Gutachtens 2007 "Kooperation und Verantwortung, Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung" des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen
VORBEMERKUNG von Soziales Dorf

Im Nachfolgenden ein Auszug aus dem Gutachten 2007 des Quelle: Sachverständigenrates zur Gesundheitsversorgung, das Anfang Juli 2007 veröffentlicht sowie der Bundesgesundheitsministerin Schmidt (SPD) übergeben wurde.
Bei dem Textauszug handelt sich dabei um eine fachliche Stellungnahme und Beurteilung des Rates zum beabsichtigten Präventionsgesetz im Gesundheitswesen.

Die Originaltexte finden sich auf der Webseite des SVR bzw. des Bundestages unter .....
Kurzfassung | Langfassung


Detlef Müller
Ideengeber & Webmaster
Soziales Dorf im Mühlenkreis



6. Primärprävention in vulnerablen Gruppen

133. Der Rat hat in früheren Gutachten wiederholt (GA 2005, I-4; GA 2003, II-5; GA 2000/2001, I-2; SG 1996, I-4.4; JG 1988) dargelegt, dass die primäre Prävention ein zentrales Handlungsfeld der Gesundheitssicherung und zugleich von starker Unterversorgung betroffen ist. Der quantitative und qualitative Ausbau, die Orientierung an Zielgruppen und Lebenswelten, eine angemessene Berücksichtigung der sozial bedingten Ungleichheit von Gesundheitschancen sowie Verbesserungen in Qualitätssicherung und Evaluation wurden wiederholt angemahnt. Der Rat bekräftigt die Empfehlungen früherer Gutachten.


134. Trotz erfreulicher Zunahme des öffentlichen und politischen Interesses an primärer Prävention sieht der Rat noch beträchtliche vermeidbare Defizite: Zwar sind einerseits im Hinblick auf Methoden und Erfolge der Prävention sicherlich noch viele theoretische, methodische und praktische Fragen offen. Andererseits kann aber auch keine Rede davon sein, dass das vorhandene Wissen über erwiesene und vielversprechende Interventionen auch nur annähernd umgesetzt würde. Den laufenden Prozess der diesbezüglichen öffentlichen und politischen Willensbildung – und ohne einen solchen Willen wird sich nicht viel ändern – möchte der Rat mit diesem Gutachten unterstützen.

Primäre Prävention überwiegend außerhalb
des medizinischen Versorgungssystems

135. Primärprävention bezeichnet Maßnahmen und Strategien zur Verminderung von (Teil-)Ursachen bestimmter Erkrankungen oder von Krankheit überhaupt. Entsprechend dem Beitrag unterschiedlicher Faktoren an der Verursachung des Krankheits- und Sterbegeschehens und ihrer Beeinflussbarkeit liegen die Interventionsfelder für primäre Prävention überwiegend außerhalb des medizinischen Versorgungssystems und folgen auch anderen als individualmedizinischen Handlungslogiken. Die Kooperation mit der Medizin bleibt dabei auf zwei Ebenen unerlässlich: Zum einen beziehen sich alle präventionspolitischen Ziele und Aktivitäten letztlich auch auf das Wissen der Medizin darüber, was gut und was schlecht ist für die Gesundheit der Menschen. Und zum andern leben wir in einer Medizinkultur, in der der kurative Arzt als erster Ansprechpartner in allen Gesundheitsfragen angesehen wird. Die in der Arzt-Patientenbeziehung liegenden Potentiale im Bereich der Primärprävention sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Zudem begründet sich der Erfolg mancher primärpräventiven Interventionen auch außerhalb des Krankenversorgungssystems aus den sozialdiagnostischen Kompetenzen von Medizinern sowie ihrer Fähigkeit, Ratsuchenden durch Verweisung an nichtmedizinische Projekte gesundheitsförderliche Wege der Bewältigung zu zeigen.

ANMERKUNG:
Absatzüberschrift zwecks besserer Lesbarkeit
eingefügt, im Originaltext nicht vorhanden.



Konzentration auf gefährdete Gruppen

136. Ein – überwiegend latenter – Bedarf nach solcher Unterstützung ist in allen Bevölkerungsschichten festzustellen. Er kumuliert aber mit abnehmendem sozialen Status. Als Leitbild für die gesamte Präventionspolitik kann deshalb die Formulierung gelten, die sich im § 20 Abs. 1 SGB V für die von den Krankenkassen getragene Prävention findet: Primärprävention soll „den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und insbesondere einen Beitrag zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen leisten“. Der Erfolg bemisst sich danach an zwei Kriterien: 1. Verbesserung in allen sozialen Schichten und Gruppen. 2. Verminderung der Abstände zwischen diesen Gruppen. Unter den gegebenen Umständen impliziert dies notwendig eine Konzentration von Aufmerksamkeit und Ressourcen auf ‚vulnerable Gruppen‘, um die Entwicklung der compression of morbidity verstärkt für sozial Benachteiligte Gruppen und Schichten zu öffnen. Dabei sind insbesondere auch die unterschiedlichen Probleme und Bedürfnisse von Männern und Frauen, sowie auch die unterschiedliche Erreichbarkeit zu berücksichtigen. ‚Vulnerabilität‘ im Sinne erhöhter Erkrankungs-, Behinderungs und Sterbewahrscheinlichkeiten findet sich besonders häufig dort, wo die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, deren volle Teilhabe an der Gesellschaft prekär oder beschädigt ist z. B. Arbeitslose, alte Menschen), mit engen oder armen materiellen Verhältnissen zusammentrifft.

ANMERKUNG:
Absatzüberschrift zwecks besserer Lesbarkeit
eingefügt, im Originaltext nicht vorhanden.



Nicht auf Etabliertes beschränken: "Experimente müssen zugelassen sein."

137. Mit der exemplarischen Darstellung der gesundheitlichen Problemlage und der Ansätze zur Primärprävention in den Gruppen der Arbeitslosen, der sozial benachteiligten alten Menschen, der Obdachlosen sowie im Hinblick auf HIV/Aids im vorliegenden Gutachten will der Rat deutlich machen, welche Implikationen mit der Zielstellung ‚Primärprävention zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen‘ verbunden sind: Systematische Primärprävention in vulnerablen Gruppen ist eine notwendige, neue Schwerpunktsetzung der Gesundheitspolitik. Die Konturen der dafür zweckmäßigen und erforderlichen Felder und Formen der Intervention bilden sich erst langsam heraus. Diese Entwicklung kann sich nicht auf die Anwendung etablierter Regeln beschränken, vielmehr müssen Experimente zugelassen sein. Nur wenn diese – als Teil der Versorgungsforschung – zweckmäßig dokumentiert und ausgewertet werden, können die notwendigen Lerneffekte erzielt werden.

ANMERKUNG:
Absatzüberschrift zwecks besserer Lesbarkeit
eingefügt, im Originaltext nicht vorhanden.



Primärprävention mit Arbeitslosen

138. Arbeitslose sind in der Regel häufiger und schwerer krank als Erwerbstätige bzw. die Gesamtbevölkerung. Außerdem weisen sie eine höhere Sterblichkeitsrate auf als die Vergleichsgruppen.

Trotz erheblicher Probleme bei der Konzipierung und Organisation von Primärprävention mit Arbeitslosen haben in jüngster Zeit eine Reihe von Trägern Modellprojekte initiiert bzw. durchgeführt. Zum Beispiel hat der BKK-Bundesverband im Rahmen seiner Initiative ,Mehr Gesundheit für alle‘ mehrere Projekte zum Thema ,Arbeit(slosigkeit) und Gesundheit‘ initiiert. Hierzu zählen die motivierenden Gesundheitsgespräche, das Projekt BEAM (Berufliche Eingliederungs- und Arbeitsmaßnahme) und das Projekt Job Fit Regional. Das vom brandenburgischen Arbeits- und Gesundheitsministerium initiierte, Gesundheitsförderung und Arbeitsvermittlung verbindende Projekt AmigA (Arbeitsförderung mit gesundheitsbezogener Ausrichtung) kann als Beispiel ebenso genannt werden wie das an der Universität Dortmund koordinierte Projekt Netzwerk Arbeitsmarktintegrative Gesundheitsförderung (N.A.G.), oder auch die in der Projektdatenbank der BZgA (www.gesundheitliche-chancengleichheit.de) unter dem Stichwort ,Arbeitslose‘ zu findenden Projekte.

Arbeitslosentreffs und Nachbarschaftszentren, Entstigmatisierung

139. Der Rat empfiehlt, der Gruppe der Arbeitlosen und insbesondere den von den gesundheitlichen Problemen besonders betroffenen Teilgruppen verstärkt Angebote der Primärprävention, ggf. einschließlich diagnostischer, therapeutischer und rehabilitativer Maßnahmen der sekundären und tertiären Prävention nahezubringen. Hierzu bieten sich unter anderem Arbeitslosentreffs sowie kommunale Nachbarschaftszentren an. Grundlage der Teilnahme ist in jedem Falle eine freie Entscheidung des bzw. der Arbeitssuchenden. Es muss stets ein faires Gleichgewicht zwischen ‚fordern’ und ‚fördern’ eingehalten werden. Bestandteil gesellschaftlicher Strategien der Primärprävention im Bereich der Arbeitslosigkeit ist nach Ansicht des Rates auch weiterhin eine Ent-Stigmatisierung des Themas Arbeitslosigkeit, die darauf hinwirkt, dass Arbeitslosigkeit – in der Selbst- und in der Fremdbewertung – nicht als individuell verschuldet wahrgenommen, thematisiert und behandelt wird. Die diesbezüglichen Vorurteile haben angesichts von Arbeitslosigkeit als Massenschicksal in den letzten Jahren zwar abgenommen, sind aber immer noch virulent.

ANMERKUNG:
Absatzüberschrift zwecks besserer Lesbarkeit
eingefügt, im Originaltext nicht vorhanden.




140. Prävention und Gesundheitsförderung bei Arbeitssuchenden bezeichnet eine Schnittstelle von Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik. Da der potentielle Nutzen von Prävention bei Arbeitslosen, d. h. die verringerte Inanspruchnahme ambulanter oder stationärer Leistungen, aber auch die Verbesserung der Wiedereingliederungschancen auf dem Arbeitsmarkt, neben den Betroffenen sowohl der Arbeitslosen- wie auch der Krankenversicherung zugute kommen würde, erscheint es sinnvoll, die Finanzierungsverantwortung für diesen Bereich – z. B. im geplanten Präventionsgesetz – auch auf die Bundesagentur für Arbeit auszudehnen. Dies sollte durch eine explizite Verankerung des Präventionsgedankens in SGB II und SGB III ergänzt werden. Dadurch könnten komplexe Projektstrukturen vereinfacht sowie eine nachhaltige und flächendeckende Finanzierung der Projekte gewährleistet werden.


141. Potential für Primärprävention findet sich auch im Bereich des Ärztlichen Dienstes der Bundesagentur für Arbeit bzw. im Bereich des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Im Rahmen mehrstufiger Präventionsstrategien bei der Zielgruppe der Arbeitslosen würde dabei insbesondere die aktive Mitwirkung des Ärztlichen Dienstes bei der Klärung des Präventionsbedarfs, aber auch bei der konkreten Ausgestaltung und Koordination von Maßnahmen der sekundären und tertiären Prävention auf individueller Ebene in Betracht kommen.


142. Das neu geordnete System der Arbeitsförderung verbessert die Ausgangslage für Maßnahmen der Gesundheitsförderung und der Prävention bei Erwerbslosen. Die Verankerung der Präventionsthematik im Rahmen des neuen Systems könnte zusätzlich z. B. dadurch gestärkt werden, dass alle Erwerbslosen mit schwerwiegenden, d. h. mit vermittlungsrelevanten Gesundheitsproblemen direkt in das Fallmanagement aufgenommen werden und somit einen besseren Zugang zu den gesundheitsbezogenen Maßnahmen erhalten. Dies setzt allerdings auch voraus, dass die Fallmanager bzw. das jeweilige Team über sozialmedizinische Kompetenzen verfügen. Darüber hinaus kann die gesundheitliche Prävention in der Arbeitsförderung auch dadurch gestärkt werden, dass die Agenturen die Mittel, die ihnen nach § 10 SGB III für Ermessensleistungen zur Verfügung stehen, unter stärkerer Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte verwenden. Ein ähnliches Potential bietet § 16 Abs. 2 SGB II, der soziale Eingliederungshilfen (Schuldnerberatung, psychosoziale Betreuung oder Suchtberatung) vorsieht, die dem Empfänger von Arbeitslosengeld II zur Verfügung gestellt werden können. Sowohl die gesundheitliche Lage von Arbeitssuchenden als auch die Wirksamkeit unterschiedlicher Präventionsansätze bedürfen weiterer Forschung.

Primärprävention mit sozial benachteiligten alten Menschen

143. Die Zielgruppen sozioökonomisch benachteiligter Älterer sind von großer Bedeutung für eine nachhaltige Präventionspolitik, die auf die demografischen Herausforderungen zu antworten sucht und deshalb einen Beitrag für die Lebensqualität, für den Erhalt von Selbständigkeit und Autonomie und eben Gesundheit dieser Gruppen leisten will. Vielversprechende Ansätze sind lebensweltorientiert und deshalb für diese Zielgruppen im Wesentlichen stadtteilorientiert. Bisher ist in diesem Bereich nur wenig systematische und wissensbasierte Entwicklung sichtbar – neben einzelnen Modellen guter Praxis ist eine allgemeine Unterentwicklung hinsichtlich Konzeptionsentwicklung, Implementierung, Evaluation und Qualitätssicherung in diesem Feld zu konstatieren.


144. Es gibt eine Reihe von Kommunen und Projekte, die innovative Wege gehen, verschiedene Zielgruppen älterer Benachteiligter erreichen und damit eine hohe Wirksamkeit hinsichtlich der Erreichung, Aktivierung und sozialen Integration ihrer Zielgruppen und vermutlich auch hinsichtlich ihrer Gesundheit und ihrer Lebensqualität erreichen. Beispielhaft genannt seien die ‚Bürgerbeteiligung Lindau-Zech‘, die ‚Kölner Seniorennetzwerke‘ oder ‚Miteinander Wohnen e.V.‘ in Berlin-Lichtenberg. Diese und weitere Initiativen verbinden meist Angebote der generations- bzw. kulturübergreifenden Kommunikation und Unterhaltung (Nachbarschaftstreffs etc.) mit ehrenamtlichen Aufgaben im Wohnumfeld und der Unterstützung beim Zugang zu Leistungen der sozialen und gesundheitlichen Versorgung. In den - noch zu seltenen - erfolgreichen Fällen verselbständigen sich solche Netzwerke von ihren ursprünglichen Initiatoren.


145. Der Rat empfiehlt, die Entwicklung zielgruppenspezifischer, multimodaler und sektorübergreifender Strategien zu unterstützen, die geeignet sind, die Gesundheitsressourcen benachteiligter Älterer zu steigern und ihre gesundheitsrelevanten Belastungen zu senken. Der Stadtteil (die Kommune, das Quartier, das Dorf) sollte hier das zentrale Setting sein.


146. Die Entwicklung geeigneter Evaluations- und Qualitätsentwicklungsstrategien, die den beschriebenen Strategien angepasst sind und zu einer besseren Evidenzbasierung beitragen, sollte gefördert werden. Bereits vorhandene Erkenntnisse, die sich beispielsweise in den Good Practice-Kriterien für die Primärprävention bei sozial Benachteiligten niederschlagen, sollten für die Zielgruppe der älteren Benachteiligten spezifiziert werden.


147. Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention weisen im Alter Überschneidungen auf. Primärpräventive Strategien müssen deshalb auch die Bedarfe bereits chronisch erkrankter und behinderter älterer Menschen mit einbeziehen. Umgekehrt sollten die Akteure der Krankenversorgung verstärkt dazu angeregt werden, auch sozial Benachteiligte Ältere für die Teilnahme an Maßnahmen der primären Prävention und Gesundheitsförderung zu motivieren.
Eine wichtige Rolle kann dabei die ‚aufsuchende Aktivierung’ (präventiver Hausbesuch) spielen, insbesondere dann, wenn diese im Kern diagnostische Maßnahme mit zielgruppenspezifisch wirksamen Interventionen – auch im sozialen Umfeld – sowie mit Angeboten verknüpft ist.


148. Förderprogramme sollten dezentrale und explorative Projektentwicklungen ermöglichen, deren Lernprozesse einerseits an lokalen Bedingungen ansetzen und andererseits einen Beitrag zu koordinierter Kompetenzentwicklung leisten können. Der Rat begrüßt es, dass das BMBF durch mehrere Ausschreibungen zur Versorgungsund Präventionsforschung für die Zielgruppen der Älteren und Alten dem wachsenden Wissensbedarf auf diesem Gebiet aktiv begegnet.



Primärprävention mit Obdachlosen

149. Wohnungslose sind deutlich häufiger als die Allgemeinbevölkerung von physischen oder psychischen Beeinträchtigungen einschließlich Suchtkrankheiten betroffen. Auch die Sterberate ist unter Obdachlosen höher als im Bevölkerungsdurchschnitt.


150. Der Settingansatz als eine Umsetzungsstrategie der Gesundheitsförderung, die sich auf definierte Sozialräume konzentriert und somit im Lebensalltag der Betroffenen ansetzt, stößt bei Wohnungslosen an gewisse Grenzen, da sich die Zielgruppe gar nicht in einem der ‚klassischen‘ Settings wie Schule, Betrieb etc. aufhält. ‚Die Straße‘ als Lebenswelt dieser Zielgruppe zeigt eine für diesen Interventionstyp problematisch hohe Fluktuation der Betroffenen. Modelle guter Praxis, die Primärprävention mit der Schaffung bzw. Erleichterung des Zugangs zu gesundheitlichen und sozialen Versorgungsleistungen und ggf. zum Arbeitsmarkt verbinden, finden sich in Modellvorhaben zur ‚aufsuchenden sozialen Arbeit‘ in verschiedenen Bundesländern und Großstädten sowie beispielhaft bei den im Umkreis einer Krankenwohnung bzw. eines Kontaktladens aufgebauten Projekte ‚Die KuRVe‘ und ‚Mecki‘ des Diakonischen Werkes in Hannover.

Wertvolle Anregungen für Konzept, Aufbau und Management von gesundheitsbezogenen Projekten für und mit Obdachlosen finden sich auch bei nicht-staatlichen Projekten in den USA. All diesen Modellen ist gemeinsam, dass sie über – sozialethisch gebotene – karitative Betreuung hinausgehen und durch Aktivierung der Betroffenen Wege der Reintegration zu bahnen versuchen.


151. Der Rat empfiehlt, der Zielgruppe der Obdachlosen und insbesondere den von den gesundheitlichen Problemen besonders betroffenen Teilgruppen der Obdachlosen verstärkt Präventionsangebote nahe zu bringen. Dies gilt gleichermaßen für diejenigen, die aus Not auf der Strasse leben wie auch für jene, für die dies ein ‚selbst gewählter Weg’ ist. Solche Maßnahmen sollten genügend niedrigschwellig sein und nach einem abgestuften Konzept vorgehen, das über weite Strecken aufsuchend angelegt ist und unterschiedliche Ebenen der gesundheitlichen Versorgung anspricht.


152. Eine stärkere Vernetzung von gesundheitlichen Angeboten mit sozialen Angeboten der Wohnungslosenhilfe und weiterer Institutionen könnte Zugänge erleichtern und die Wirksamkeit erhöhen. Dabei sollen die unterschiedlichen Situationen und Bedürfnisse von obdachlosen Männern und Frauen berücksichtigt werden. Ausreichende Vernetzung von unterschiedlichen zielgruppenspezifischen Maßnahmen dürfte auch erforderlich sein, um den Versorgungsdefiziten in Bezug auf die unter Obdachlosen hohe Rate von Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit zu begegnen. Eine engere Kooperation zwischen Suchtberatung und Wohnungslosenhilfe erscheint als geeignet und geboten.


153. Besondere Aufmerksamkeit sollte der gesundheitlichen Versorgung obdachloser Jugendlicher entgegengebracht werden. Auch im kinder- und jugendärztlichen bzw. -psychiatrischen Bereich sollten dafür aufsuchende Angebote vorgehalten werden. Zudem ist der Bedarf von zielgruppenspezifischen Angeboten zum Entzug und zur Entwöhnung auch im Jugendbereich nicht gedeckt.


154. Initiativen zur medizinischen Versorgung von Obdachlosen sollten dauerhaft finanziell abgesichert werden. Bedarf hierfür wird auch nach erfolgreicher Implementation der Versicherungspflicht gemäß GKV-WSG zumindest für Menschen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus bestehen bleiben. Stabile Finanzierung ist erforderlich, um den Projekten die für die kontinuierliche Arbeit mit den Betroffenen nötige Planungssicherheit zu gewährleisten.


155. Um Obdachlose über kurz oder lang ins medizinische Regelsystem zu integrieren, empfiehlt der Rat, strukturelle Barrieren für die Inanspruchnahme ‚regulärer‘ medizinischer Leistungen zu beseitigen. Das bedeutet, die von Armut betroffenen Obdachlosen von der Praxisgebühr sowie der Zuzahlungspflicht für Medikamente und Heilbehandlungen zu befreien.


156. Angebote der Gesundheitsversorgung sollten ergänzt werden um arbeits- und unterbringungsbezogene Maßnahmen, wie sie etwa im ‚Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung‘ erwähnt werden. Im Hinblick auf Strategien zur Vermeidung von Obdachlosigkeit verweist der Rat auf das französische Beispiel, wo es seit Februar 2007 ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Wohnen gibt. Um der sozialen Ausgrenzung der Betroffenen entgegenzuwirken und sie psychisch und sozial zu stabilisieren, sollten realistische Möglichkeiten des Einstiegs in den dritten, zweiten und ersten Arbeitsmarkt für Obdachlose geschaffen bzw. bereitgehalten werden.


157. Um den gesundheitlichen Versorgungsbedarf, den die vom medizinischen Regelsystem schwer erreichbare Zielgruppe der Wohnungslosen hat, handlungsorientiert analysieren zu können, empfiehlt der Rat eine entsprechende Gesundheitsberichterstattung, Untersuchungen zur Qualität und Wirksamkeit geförderter Maßnahmen sowie eine auf diese Zielgruppe bezogene Versorgungsforschung.



Verbesserung der HIV/Aids-Prävention

158. Der Anstieg der Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen in den letzten Jahren in Deutschland ereignet sich sowohl in der Gruppe der – in der WHO-Terminologie – man who have sex with man (MSM) als auch im heterosexuellen Verkehr. Der Rat sieht darin jedoch nicht ein Versagen des in den achtziger Jahren etablierten Präventionsmodells der multimodalen Mehrebenenkampagne ‚Gib Aids keine Chance’. Dieses Modell beruht auf abgestimmter Arbeitsteilung zwischen staatlichen Stellen und Nichtregierungsorganisationen, auf Partizipation der betroffenen Gruppen, auf Freiwilligkeit und dem konzertierten Zusammenwirken von massenmedial vermittelten Botschaften, zahlreichen dezentralen Aktionen in den Lebenswelten der Zielgruppen und persönlicher Beratung. Der Rat sieht diese Strategie im Hinblick auf die Prävention von Aids weiterhin als tragfähig und vorbildlich an und empfiehlt ihre Weiterentwicklung und Anpassung an die eingetretenen Veränderungen.


159. Infolge der bahnbrechenden Erfolge der pharmakologischen Therapie der Folgen der HIV-Infektion haben sich Lebensdauer und Lebensqualität der meisten Infizierten und Kranken in Deutschland dramatisch verbessert. Die Botschaften der Prävention müssen diesem Umstand Rechnung tragen: Motiv für präventives Verhalten (safer sex und safe use) ist nicht mehr allein die Abwehr des drohenden Todes, sondern die Erhaltung der Gesundheit für sich selbst und den/die jeweilige/n Partner/in. Allerdings sollte in diesem Zusammenhang die Aids-Erkrankung auf keinen Fall verharmlost werden.


160. Botschaften, Medien und Zielorte der Prävention müssen den eingetretenen Veränderungen Rechnung tragen. Im Hinblick auf die Botschaften geht es dabei um die Differenzierung und zum Teil Individualisierung von Strategien der Risikominderung. Die darin liegenden Gefahren (Fehleinschätzungen von Risiken, Missverständnisse in der Risikokommunikation) müssen stärker bearbeitet werden. Im Hinblick auf die Medien gewinnt das Internet größere Bedeutung. Neuere Entwicklungen im Bereich der Freizeitkultur erfordern eine stärker sozialräumliche Orientierung der Präventionsarbeit bis hin zu zugehender Beratung. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass vor allem in Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund sowie generell bei Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status die Prävention auch in der Vergangenheit weniger erfolgreich war und deshalb verbessert werden muss.


161. Als Erfolg versprechend zeigen sich auch Ansätze, welche die nach wie vor hoch motivierten lokalen und regionalen Aids-Hilfen in der Entwicklung und Sicherung der Qualität ihrer Präventionsarbeit unterstützen. Angesichts der Verschiedenheit der jeweils ‚vor Ort‘ anzutreffenden Gegebenheiten kann es hier keine schematischen Lösungen geben. Kriterien der Qualität und lokale Merkmale der Prävention können nur im gleichberechtigten Dialog zwischen Evaluationsexperten und Präventionspraktikern gefunden und entwickelt werden.


162. Einen Zuwachs an Qualität der Prävention würde es aus Sicht des Rates auch bedeuten, wenn – wie von UNAIDS mit deutscher Unterstützung empfohlen – auch in Deutschland eine für alle Aids-Fragen zuständige Stelle für Koordination und Monitoring der Aids-Aktivitäten der verschiedenen Politikfelder eingerichtet würde. Die sichtbar gewordenen Defizite der Prävention verlangen auch nach sozialwissenschaftlicher Forschung über die Gründe, die soziale und regionale Verteilung der Zunahme HIV-riskanten Verhaltens sowie zur Erprobung der Wirksamkeit neuer Interventionsformen.



Herausforderungen für Politik, Praxis, Wissenschaft

163. Gesundheitliche Vulnerabilität hat viele Quellen und nimmt viele Formen an. Wenn Gesundheitspolitik die daraus resultierenden Herausforderungen annimmt, sieht sie sich mit einer zunächst schier unübersehbar erscheinenden Vielzahl unterschiedlicher Zielgruppen und Problemlagen konfrontiert. Entwurf und Durchführung Erfolg versprechender Prävention setzt zunächst voraus, die Entstehungsbedingungen gesundheitlicher Gefährdung sowie die aktuellen Lebenslagen der Zielgruppen in ihren jeweiligen Lebenswelten zu identifizieren und zu analysieren. Dabei erweisen sich für die Prävention jeweils unterschiedliche Zugänge, Interventionsformen und Methoden der Qualitätssicherung als angemessen. Um die Möglichkeiten moderner Formen der Primärprävention zu nutzen, müssen jeweils spezifische Netzwerke bzw. Akteurkonstellationen motiviert und aktiviert werden. Dazu gehören auch das System der Krankenversorgung und insbesondere die ambulant tätigen Mediziner – nicht nur als Akteure für die Bewältigung bereits eingetretener Erkrankungen, sondern auch als Initiatoren, Anreger und Vermittler primärer Prävention. Regelmäßig handelt sich jedoch nicht nur um professionelle Akteure im jeweiligen Handlungsfeld, sondern auch um die Menschen aus den Zielgruppen sowie weitere zivilgesellschaftliche Akteure. Um in solchen Konstellationen der Gesundheit förderliches und Krankheit vermeidendes Verhalten zu etablieren, bedarf es vielfältiger materieller und immaterieller Anreize und Veränderungen in der das Verhalten prägenden Umwelt. Hinzu kommt, dass die gesundheitliche Wirkung solcher Interventionen oft nicht direkt gemessen werden kann und die festgestellten Effekte bei den hilfsweise herangezogenen Indikatoren oft nicht direkt auf die Intervention bezogen werden können – die Effektivität vieler dieser Interventionen also plausibel und beobachtbar erscheint, aber nicht als wissenschaftlich erwiesen gelten kann. Zusammengenommen bedeutet dies, dass sich Primärprävention in vulnerablen Gruppen nicht auf die Anwendung etablierter Regeln beschränken kann, sondern dass Experimente zugelassen sein müssen, wenn sie zweckmäßig dokumentiert sowie unabhängig begutachtet werden und damit Lerneffekte ermöglichen.


164. Die kurzen Beschreibungen erfolgreicher Präventionsansätze bei den im vorliegenden Gutachten untersuchten Zielgruppen zeigen, dass Interventionen in aller Regel fünf Anforderungen erfüllen sollten:

− Die Interventionen zielen nicht nur auf die Senkung von gesundheitlichen Belastungen (aus der physischen und sozialen Umwelt sowie aus dem Verhalten), sondern auch auf die Vermehrung gesundheitlicher bzw. gesundheitsdienlicher Ressourcen.

− Interventionen sollten nicht nur krankheitsspezifische, sondern auch unspezifische Belastungen und Ressourcen beeinflussen, d. h. sie sollten so weit wie möglich upstream einsetzen.

− Interventionen sind nach den vorliegenden Erfahrungen desto erfolgreicher, je mehr es gelingt, die jeweiligen Lebenswelten (Settings) der Zielgruppen, d. h. die gesundheits- und verhaltensrelevanten Kontexte, in Richtung auf Gesundheitsförderlichkeit zu verändern.


− Von größter Bedeutung für den Entwurf, die Durchführung und die Qualitätssicherung zielführender Interventionen ist die größtmögliche Einbeziehung der jeweiligen Zielgruppen; Partizipation ist die Schlüsselgröße erfolgreicher Prävention.

− Lebensweltbezogene Primärprävention ist eine Entwicklungsaufgabe. Voraussetzung für Entwicklung ist Lernen. Gelernt werden kann aus – gelungenen wie gescheiterten – Erfahrungen nur, wenn diese angemessen dokumentiert werden. Deshalb sind Qualitätssicherung und verwertbare Dokumentation unabdingbar für die schrittweise Verbesserung der Wissensbasis und der Interventionsqualität. Kriterium der Unterstützung bzw. Finanzierung insbesondere von komplexen Präventionsprojekten in Lebenswelten kann beim derzeitigen Wissensstand nicht in jedem Fall der Nachweis der Wirksamkeit sein (proven interventions). Gefördert werden sollten auch sozial und gesundheitlich plausible Interventionen, wenn sowohl ein theoretisch fundiertes Modell für die Wirksamkeit als auch empirische Evidenz vorliegt, die zumindest Teile dieses Modells stützt (promising interventions).

Die in den Abschnitten des Gutachtens skizzierten bzw. zitierten Beispiele primärpräventiver Interventionen bei einzelnen vulnerablen Gruppe erfüllen durchweg das Kriterium‚ vielversprechend‘ und stellen insofern Herausforderungen sowohl zur Qualitätsverbesserung als für die Forschung dar.



Europäische Strategien gegen Ungleichheit von Gesundheitschancen

165. Gegenüber anderen Ländern der Europäischen Union, die präventionspolitisch vor ähnlichen Herausforderungen stehen, weist Deutschland in wichtigen Teilbereichen erhebliche Rückstände auf. In erster Linie sind dabei die Zielbildung und die damit verbundene Priorisierung zu nennen. Ohne wissenschaftlich fundierte und politisch konsentierte Ziele und Prioritäten scheint aber weder eine Bündelung von Anstrengungen und Erfahrungen noch eine rationale und legitimierte Ressourcenzuweisung möglich. Der Vorsprung anderer Länder erklärt sich einerseits durch viele historische, kulturelle und institutionelle Eigenheiten, die nicht ohne weiteres übertragbar sind. Andererseits zeigen aber die skizzierten Länderbeispiele auch Faktoren bei der Bildung von Gesundheitszielen, die übertragbar sind und deren Nutzung der Präventionspolitik in Deutschland zusätzliche Schubkraft verleihen könnten: In Großbritannien fällt die starke Beteiligung der breiten Öffentlichkeit an der Zielfindung und -bildung über Veranstaltungen, Massenmedien und Internet auf. Dadurch konnten relevante Teile der Bevölkerung und auch der prioritären Zielgruppen sowie wichtige staatliche und nicht-staatliche Akteure in die Diskussion über das Programm Our healthier nation einbezogen und auf diese Weise zur Teilnahme motiviert werden. Hinter diesem Prozess stand ein klar formulierter politischer Wille der britischen Regierung. Das gilt mit phasenweisen Unterschieden auch für die Niederlande. Dort spielte die Flankierung durch staatlich finanzierte, den Zielbildungsprozess begleitende Forschungsprogramme eine wichtige Rolle. Diese bezogen sich sowohl auf die Größe und die Ausprägungen des Problems sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen, als auch auf Interventionen und schließlich auch auf Interventionswirkungen. In Schweden wiederum bildete die Orientierung an einem nationalen Präventionsgesetz einen wichtigen Antrieb für diesen Prozess. Im Gegensatz zur deutschen Situation gelangten alle diese Ansätze zu Zielsystemen, die den Anspruch haben, das gesamte Problemspektrum durch die Definition von Interventionsfeldern bzw. Zielgruppen bzw. sozialen Determinanten der Gesundheit abzubilden. Obgleich auch diese Programme und Systematiken noch große Unschärfen im Hinblick auf Zielgruppen und Settings sowie deren Priorisierung aufweisen, stellen sie gegenüber der Orientierung auf einzelne Zielkrankheiten bzw. Verhaltensziele bzw. Gruppen einen bedeutenden Fortschritt dar. Vor allem in Großbritannien wurden die wenigen, zunächst abstrakt klingenden Ziele in Form konkreter Handlungsvorschläge für Akteure auf allen Ebenen von Regierung, NHS und Gesellschaft konkretisiert. In Schweden ist die Formulierung solcher Unterziele Bestandteil der – im letztlich verabschiedeten – Gesetz enthaltenen Vorschriften bzw. Aufforderungen an staatliche, kommerzielle und zivilgesellschaftliche Akteure. In den Niederlanden erfolgt die Umsetzung z. T. experimentell durch überwiegend lokale Modellversuche.

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Präventionspolitik dieser Länder im Gegensatz zu Deutschland einen wissenschaftlich fundierten und durch transparente Verfahren legitimierten Rahmen aufweist. Ob diesem ‚Überbau‘ in den jeweiligen Ländern auch eine solidere Praxis der Prävention in vulnerablen Gruppen entspricht, ist weniger klar: Zu keinem der aus diesen Zielsystemen generierten Programme liegt bislang eine aussage fähige Evaluation vor. Weitere Erkenntnisse hierzu werden u. a. aus dem EU-Projekt Closing the Gap – Strategies for Action to tackle Health Inequalities in Europe erwartet, das Praxis-Projekte für vulnerable Gruppen im internationalen Vergleich untersucht und in diesem Zusammenhang models of good practice identifiziert, entsprechende Kriterien entwickelt und einen internationalen Benchmarking-Prozess steuert.



Praxisansätze in Deutschland

166. Die Erprobung und Entwicklung geeigneter Zugänge und Methoden der Intervention zur Primärprävention in vulnerablen Gruppen kann als Suchprozess mit Experimenten (und demzufolge auch Erfolgen und Misserfolgen) beschrieben werden. Da es in Deutschland bislang an einer handlungsleitenden nationalen Präventionsstrategie – und infolgedessen auch an Kriterien der Priorisierung sowie an Anreizen und Mechanismen zur Bündelung von Erfahrungen, Qualifikationen und Ressourcen – fehlt, sind die Präventionsakteure hierzulande darauf angewiesen, zumindest in ihren jeweils eigenen Handlungsfeldern solche Mechanismen sowie Möglichkeiten der koordinierten Dokumentation und Qualitätssicherung zu schaffen. Im Gutachten werden zwei unterschiedliche Wege zu diesem Ziel dargestellt.


167. Im Modellprojekt ‚gesund leben lernen‘ der GKV-Spitzenverbände wurden in drei Bundesländern (Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt) 63 Bildungseinrichtungen mit überdurchschnittlich vielen Schülerinnen und Schülern aus sozial benachteiligenden Verhältnissen identifiziert und zur Teilnahme an primärpräventiven Interventionen gewonnen. Das Projekt begann Mitte 2003. Dieser von Kriterien geleitete, koordinierte und qualitätsgesicherte Ansatz der Spitzenverbände der GKV entspricht dem Sinn des § 20 SGB V und enthält durch die Wahl des Settings ‚Schule’ auch Möglichkeiten der Synergie, des Benchmarkings und der Akkumulation von Erfahrungen. Eine sorgfältige Dokumentation und Publikation der – positiven wie negativen – Projekterfahrungen ist notwendig, weil nur so eine Wirkung auf die Qualität der Primärprävention in Schulen sowie in Settings/Lebenswelten insgesamt erwartet werden kann. Es erscheint aussichtsreich und wünschenswert, Erfahrungen im Hinblick auf Zugang, Projektplanung, Partizipation, Projektdurchführung und Qualitätssicherung dieses Modellprojekts mit den vorliegenden Befunden zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu vergleichen, um auf diese Weise die Wissensbasis über Interventionen in Lebenswelten / Settings insgesamt zu verbreitern. Es steht zu hoffen, dass die Spitzenverbände bzw. der Spitzenverband Bund der Krankenkassen nach Auslaufen des jetzigen Modellversuchs unter Nutzung der dabei gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse weitere Modellversuche in Lebenswelten/Settings initiieren, finanzieren und in ihrer Qualität sichern. Die Überführung erfolgreicher Modelle in den Regelbetrieb bleibt eine wichtige Aufgabe.

168. Während die teilnehmenden Schulen des Modellprojekts ‚gesund leben lernen‘ der Spitzenverbände der GKV kriteriengeleitet, also gewissermaßen deduktiv ausgewählt wurden, geht der bundesweite Kooperationsverbund ‚Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten‘ der BZgA den anderen, eher induktiven Weg: Ausgangspunkt sind nicht Settings, die sich nach sozialen und damit auch gesundheitlichen Kriterien für Interventionen empfehlen, sondern bereits existierende Sozial- und Gesundheitsprojekte unterschiedlicher Träger für unterschiedliche Gruppen in unterschiedlichen Settings. Auf freiwilliger und kostenloser Basis werden diesen Projekten Leistungen der Vernetzung, Qualifizierung und Qualitätssicherung angeboten, die auch gut angenommen werden.
Auch dies ist ein Weg, der nicht nur Qualität und Nachhaltigkeit der einzelnen Projekte verbessern kann, sondern auch hilft, Erfahrungen und Erkenntnisse durch Vernetzung, Dialog und Benchmarking zu bündeln und zu systematisieren. Der Auf- und Ausbau des Kooperationsverbundes ,Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten‘ ist ein aussichtsreicher Schritt, um Akteure und Praxis der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung stärker miteinander zu vernetzen. Die Einrichtung und Pflege einer interaktiven Informations- und Kommunikationsplattform kann helfen, diesen Prozess zu verstetigen. Mit dem Aufbau der von der Landesvereinigung Gesundheit Berlin e.V. koordinierten regionalen Knoten ist ein wichtiger Schritt in Richtung auf einheitliche Strukturen zur Stärkung der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung auf Landesebene gelungen. Diese Strukturen sollten gestärkt und ausgebaut werden. Die Kontinuität der Finanzierung sollte gesichert werden. Die bereits in einigen Bundesländern praktizierte paritätische Finanzierung durch Landesministerien und GKV sollte als Orientierung für die Schaffung vergleichbarer Finanzierungsstrukturen für die anderen Bundesländer dienen. Hervorzuheben ist der Beitrag zu einer niedrigschwelligen und kostengünstigen Qualitätsentwicklung, der im Rahmen des Kooperationsverbundes durch die Auswahl und Kommunikation von Good Practice-Beispielen geleistet wird. Der damit gewählte Ansatz einer partizipativen Qualitätsentwicklung der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung sollte fortgeführt und insbesondere auch bei der Umsetzung von Maßnahmen nach § 20 (1) des SGB V genutzt werden.



Forschung für die Prävention

169. Fortschritte in Zugängen, Methoden, Wirkungen und Wirkungsmessung zur Primärprävention in vulnerablen Gruppen können in diesem für die Gesundheitspolitik neuen und schwierigen Terrain nicht ohne wissenschaftliche Unterstützung erwartet werden. Mit einiger Verspätung gegenüber anderen europäischen Ländern hat sich auch die staatliche Forschungsförderung in Deutschland des Problems der Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen angenommen. Der wichtigste Finanzierungsträger der Forschung zu nichtmedizinischer Primärprävention ist die Bundesregierung mit ihrem Gesundheitsforschungsprogramm und im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit die BZgA. Auf diesen Träger entfallen mit zusammen 28 von 38 fast drei Viertel der geförderten Projekte zur nicht-medizinischen Primärprävention in vulnerablen Gruppen. Kern der Forschungsaktivitäten ist die Wirkungsforschung, also die Suche nach wirksamen Interventionsmethoden. Die Forscher identifizieren kontinuierlich neue Zielgruppen. Die Evaluationsforschung etabliert sich. Das Health Impact Assessment ist noch unterentwickelt. Eine kritische Bewertung politischer Entscheidungen wird also kaum finanziert. Die Forschung ist auf die Zielgruppen ‚arme Kinder‘ und ‚junge Erwachsene‘ fokussiert. Die Forschung reproduziert die Dominanz der Verhaltensprävention gegenüber der Verhältnisprävention, wie sie aus der Präventionspraxis bekannt ist. Das heißt, es findet kaum eine wissenschaftliche Unterstützung der Weiterentwicklung der Verhältnisprävention statt, obwohl verhältnispräventive Maßnahmen höhere konzeptionelle Anforderungen stellen und deshalb gerade hier großer Forschungsbedarf besteht. Speziell zur Anwendung, Qualitätssicherung und Wirkungsmessung des Setting-Ansatzes bestehen noch große Forschungslücken.


170. Eine Aufstockung der finanziellen Förderung ist wünschenswert. Verglichen mit den Forschungsausgaben für medizinische Technologien einschließlich Arzneimittel liegt die Summe für nicht-medizinische Prävention im Promillebereich. Mit zusätzlichen Mitteln könnten bisher vernachlässigte Interventionen analysiert werden. Die Berücksichtigung sozial Benachteiligter in der Präventionsforschung als Querschnittsaufgabe zu behandeln erscheint nicht ausreichend. Notwendig ist eine spezifische Forschung. Deshalb sollte ein angemessen großer Teil der Forschungsförderung zur nichtmedizinischen Primärprävention für Vorhaben zu sozial Benachteiligten reserviert bleiben. Im Hinblick auf die gegenwärtige Ressortforschung wird empfohlen, den Mitteleinsatz durch die explizite Setzung von Schwerpunkten und Prioritäten effizienter zu gestalten. Übergreifendes Ziel für alle geförderten Vorhaben muss es sein, einen verwertbaren Beitrag zur Methodenentwicklung zu leisten. Daneben schlägt der Rat vor, Projekte mit Bezug zur Verhältnisprävention und im Sinne des partizipativen Setting-Ansatzes zu
priorisieren. Die Sekundäranalyse von Projekten, Methoden und Befunden sollte stärker unterstützt werden.


171. Auch der Mangel an Transparenz der Forschung ist gegenwärtig ein Entwicklungshemmnis. Nur wenige der Forschungsprojekte veröffentlichen einen zusammenfassenden Projektbericht. Häufig werden weder die Methoden noch die Ergebnisse einem breiteren Fachpublikum zugänglich gemacht. Um eine Weiterentwicklung der Forschung zu ermöglichen, sollte die Dokumentation der Ergebnisse wesentlich verbessert werden. Hierin sieht der Rat eine Aufgabe für die Finanzierungsträger. Diese sind in der Lage, von ihren Auftragnehmern ausführliche Abschlussberichte einzufordern und diese zu publizieren.


172. Forschungsergebnisse aus dem Ausland sollten stärker als bisher einbezogen werden. Es genügt nicht, das jeweilige Vorhaben einleitend in der internationalen Literatur zu verorten. Mindestanforderung geförderter Projekte muss sein, die eigene Vorgehensweise vor dem Erfahrungshintergrund der internationalen Methodenentwicklung zu rechtfertigen. Bisher bestehen viele Forschungsprojekte in Interventionsprojekten mit wissenschaftlicher Begleitung. Grundsätzlich scheint es jedoch geboten, Intervention und Forschung zu trennen. Die personelle Vermischung von Intervention und Analyse kann zu Interessenkonflikten führen. Forscher, die falsifizierbare Thesen entwickeln und neue Methoden testen, geraten leicht in Konflikt mit den Zielen der Finanzierungsträger von Interventionen. Diese wünschen eine effektive Förderung der Zielgruppe. Es sollte für Forscher aber auch möglich werden, neue Interventionsmethoden zu testen, bei denen das Risiko des Scheiterns nicht unerheblich ist. Daher sollten auch Projekte ermöglicht werden, bei denen die Förderung der Zielgruppe als Erfolgskriterium nicht im Vordergrund steht, sondern der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn zumindest gleichrangig bewertet wird.

Gesetzgebung

173. Der Rat begrüßt ausdrücklich die auch im Koalitionsvertrag niedergelegte Absicht der Bundesregierung, nach der die „Prävention zu einer eigenständigen Säule der gesundheitlichen Versorgung ausgebaut“ werden soll. Der Abbau vermeidbarer Gesundheitsbelastungen und die Förderung gesundheitsförderlicher Ressourcen für die gesamte Bevölkerung unter der Nebenbedingung der Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen stellt eine dauernde Herausforderung in nahezu allen Gesellschaftsbereichen und für nahezu alle gesellschaftlichen Akteure dar. Die Größe und zugleich Unschärfe dieser wohl niemals vollständig zu lösenden Querschnittsaufgabe
darf allerdings nicht als Begründung dafür herhalten, das nahe Liegende und das Mögliche zu unterlassen.


174. Der Rat unterstützt deshalb den im Koalitionsvertrag niedergelegten Grundgedanken der Bundesregierung, mit einem Gesetz zur nicht-medizinischen Primärprävention noch in dieser Legislaturperiode die Kooperation und Koordination sowie die Qualität der Maßnahmen der Sozialversicherungsträger bzw. -zweige übergreifend und unbürokratisch zu verbessern. Mit der Einbeziehung der Kranken-, Pflege-, Renten-, Unfall und Arbeitslosenversicherung soll nicht nur der Ressourcenrahmen gesichert bzw. erweitert werden. Vielmehr ist dies auch als erster Schritt in einer Entwicklung zu sehen, durch die die Versicherungsträger (einschließlich der PKV) schrittweise zu einer Sichtweise gebracht werden, nach der ihre Aufgabe sich nicht in der Finanzierung und Steuerung der Versorgung erschöpft, sondern auch die Verhütung von Versicherungsfällen einschließt.


175. Im für die laufende Legislaturperiode geplanten Gesetz sollten darüber hinaus auch die Kooperations- und Finanzbeziehungen zwischen den Versicherungsträgern und den öffentlichen Händen geregelt werden. Vor allem sollte sichergestellt werden, dass die Aktivitäten z. B. der Länder oder des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ziel- und programmbezogen mit denen der Versicherungsträger koordiniert werden. Zum anderen muss auch vermieden werden, dass sich öffentliche Träger auf kommunaler sowie Landes-
und Bundesebene zulasten der Versicherungsträger aus der Finanzierung und Organisation der Primärprävention zurückziehen.


176. Der Rat unterstützt die ebenfalls im Koalitionsvertrag niedergelegte Absicht der Bundesregierung, in einem Präventionsgesetz auch zu regeln, dass sich die Aktionen an Präventionszielen auszurichten haben. Die Lösung, die im gescheiterten Entwurf eines Präventionsgesetzes 2005 gefunden wurde und nach der öffentlich geförderte Prävention insbesondere einen Beitrag zur Verminderung sozial oder durch Geschlecht bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen zu leisten hat, sollte beibehalten werden.
Zugleich sollte festgelegt werden, ob und ggf. wie diese allgemeine Orientierung durch konkrete Präventionsziele bzw. Zielsysteme wie in Großbritannien, Schweden oder den Niederlanden unterbaut werden könnte.


177. Das Gesetz sollte festlegen, dass Prävention nur dann aus Steuer- oder Beitragsmitteln finanziert werden kann, wenn ihre Qualität nach dem state of the art gesichert ist. Neben erwiesen wirksamen Interventionsformen (proven interventions) sollten auch plausible Interventionen finanziert werden können, wenn ihnen ein theoretisch schlüssiges Wirkungsmodell zugrunde liegt, für das zumindest partiell empirische Evidenz vorliegt (promising interventions). Mit der Akkumulation, Bündelung und Auswertung
von Informationen zur Qualität und Wirksamkeit der Primärprävention sollte eine zentrale Stelle beauftragt werden. Nach Aufgabenstellung und Kompetenz kommt hierfür insbesondere die BZgA in Frage.

178. Das geplante Gesetz sollte Regelungen und Anreize dafür enthalten, dass öffentlich geförderte Prävention den in den letzten Jahrzehnten entwickelten Qualitätskriterien genügt. Primäre Prävention soll sich danach gleichermaßen auf die Senkung von gesundheitsgefährdenden Belastungen und auf die Vermehrung gesundheitsdienlicher Ressourcen beziehen und deshalb sowohl krankheitsspezifische Faktoren wie auch unspezifische Belastungen und Ressourcen bearbeiten. Sie soll soweit wie möglich an den Lebenswelten bzw. den jeweiligen Verhaltenskontexten ansetzen und diese im Sinne der Gesundheitsförderlichkeit weiterentwickeln. Partizipation der Zielgruppen auf allen Stufen der Problembearbeitung ist dabei eine Schlüsselvariable für wirksame und nachhaltige Prävention.
179. Die Regelungen des geplanten Präventionsgesetzes sollten Interventionen sowohl auf der individuellen Ebene als auch in Lebenswelten bzw. Settings als auch für die Gesamtbevölkerung (Gesundheitskampagnen) vorsehen und ermöglichen. In der präventionspolitischen Praxis kommt es erfahrungsgemäß regelmäßig zu einer unzweckmäßigen Bevorzugung einfach zu organisierender und weniger komplexer Interventionen (z. B. Beratung und Information zum Gesundheitsverhalten statt partizipativ gestalteter Veränderung des Verhaltenskontextes; Intervention auf individueller Ebene statt Projekten in den jeweiligen Lebenswelten; bloße Informations- und PR-Kampagnen anstatt multimodaler Mehrebenen-Kampagnen). Um dieser Tendenz vorzubeugen, sollte das geplante Gesetz die Regelungen des im Jahre 2005 gescheiterten Entwurfs aufgreifen und weiterentwickeln, wonach für Lebenswelt-Projekte 40 % der verfügbaren Ressourcen reserviert sind. Für die Konzipierung und Qualitätssicherung von Gesundheitskampagnen sollten die Kompetenzen der BZgA genutzt werden.
180. Im Hinblick auf die Unterstützung der Primärprävention mit öffentlichen Mitteln sollte das geplante Gesetz nicht hinter den gescheiterten Gesetzentwurf zurück fallen, der ein jährliches Volumen von ca. 250 Mio. Euro vorgesehen hatte. Das ist ungefähr ein Promille der Gesamtausgaben für Gesundheit in Deutschland und ca. 1,6 Promille der Ausgaben der GKV. Angesichts des geringen Ausbaus der Infrastruktur für moderne Prävention in Deutschland erscheint diese relativ geringe Summe für den Anfang als knapp ausreichend. Das Gesetz sollte aber Mechanismen und Quellen ausweisen, mit bzw. aus denen dieser zukunftsweisende Zweig der Gesundheitssicherung finanziert werden kann.



Mitglieder des Sachverständigenrates

Mitglieder des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen

Prof. Dr. rer. pol. Eberhard Wille
Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre
Universität Mannheim
(Vorsitzender)

Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Peter C. Scriba
Medizinische Klinik Innenstadt
Ludwig-Maximilians-Universität München
(stellvertretender Vorsitzender)

Prof. Dr. med. Gisela C. Fischer
Medizinische Hochschule Hannover
Prof. Dr. rer. nat. Gerd Glaeske
Zentrum für Sozialpolitik
Universität Bremen

Prof. Dr. phil. Adelheid Kuhlmey
Institut für Medizinische Soziologie
Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften
Charité - Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. rer. pol. Rolf Rosenbrock
Forschungsgruppe Public Health
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Prof. Dr. med. Matthias Schrappe
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe Universität
Frankfurt am Main




QUELLENHINWEIS

Textauszug über Primärprävention aus der Kurzfassung des Gutachtens 2007 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen vom Juli 2007 ...
Kurzfassung | Langfassung

Quelle: www.svr-gesundheit.de




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Aktualisiert Montag, 02. Juli 2007    Geschrieben von soziales dorf    3610  Mal gelesen

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