EINFÜHRUNG - Projektidee Soziales Dorf im Mühlenkreis
Die ersten Gedanken an ein sozial-nachhaltiges und ökologisches Dorf als Wohnprojekt nicht nur für sozial Benachteiligte sind gut ein halbes Jahr nach Einführung von Hartz IV im Herbst 2005 entstanden. Seitdem ist die Vision weitergedacht worden und hat eine Menge SympathisantInnen gefunden.
"An einem sozialen Projekt auf dem Land mitzuarbeiten ist der Traum jedes zweiten Sozialarbeiters," drückte es eine Bekannte aus, die selbst im sozialen Bereich tätig ist.
● Soziale Wohnsiedlung, Ökolandbau, Zentrum und Hofladen Die Vorstellung ist, einen größeren landwirtschaftlichen Hof im Mindener Land (OWL, Karte) zu einer sozial-nachhaltigen Wohnsiedlung mit ökologischen Landbau, einem soziokulturellen Gemeinschaftszentrum und eigenem Hofladen umzubauen.
Das Angebot Wohnen, Leben und ggf. Arbeiten in der Siedlung richtet sich an Erwerbslose und andere sozial Benachteiligte Menschen, die einen Ausstieg aus dem Teufelskreis von Armut und Ausgrenzung, (dauerhafter) Arbeitslosigkeit, hohem gesellschaftlichen und Leistungsdruck suchen - oft begleitet von Verlust an Lebensfreude und Schaffenskraft, Daseinskrisen und schleichender Entwicklung von Krankheit.
Das ist im Wesentlichen die Grundidee des Sozialen Dorfes im Mühlenkreis.
Die Ansiedlung einer bzw. mehrerer Naturheilpraxen ist nicht nur vorstellbar, sondern bereits angedacht. Aber die Frage, ob Behandlung durch Alternativmedizin tatsächlich ins Soziale Dorf einziehen wird, beantwortet sich erst dadurch, ob bei Heilpraktikern, naturheilkundlichen Ärzten bzw. Fachleuten für TCM, Ayurveda, Heilpflanzen-, Aromatherapie bzw. andere Teilgebiete der alternativen Medizin (Komplementärmedizin) ein Interesse an einer Praxis im ländlichen Bereich des Kreis Minden-Lübbecke besteht - mehr zum Thema Gesundheitsprojekt in einem Absatz unten.
Der Bau einer Landherberge mit Seminarzentrum auf dem Hofgelände ist aus verschiedenen Gründen sehr sinnvoll und ist ebenso im Grundidee bereits verankert - mehr dazu weiter unten.
● Soziales Dorf: Größe & Eigenschaften In Anlehnung an die Größenangaben bei 'Keimblatt Ökodorf' wird als Lebensraum für ca. 50 - 150 Menschen bisher von einer geschätzten Fläche von 40 - 60 Hektar ausgegangen.
Unabhängig von der tatsächlichen späteren Gesamtfläche ist für die Projektidee von Bedeutung, daß rund um die Bereiche Dorf, Zentrum und Wohnbereiche sowie an anderen Stellen genügend große Freiflächen zur Nutzung durch die BewohnerInnen vorhanden sind. Damit spätere Erweiterungen möglich sind, sollte dieser Dorfbereich allein grob geschätzt 3 - 4 Hektar groß sein.
Die Landwirtschaft soll vollständig auf Bioanbau umgestellt werden. Das ermöglicht auch den ökologischen Anbau und Versandhandel von bei uns üblichen Heilpflanzen wie auch Kräutern, Wurzeln und Früchten der traditionell chinesischen Heilkunde (TCM) und der indischen Ayurveda.
Die Engergieversorgung soll durch erneuerbare Energien erfolgen, die Bebauung des gesamten Dorfes nach den Grundsätzen der Permakultur geplant und durchgeführt werden.
ANMERKUNG: Nach den Begriffserklärungen bei Wikipedia, ist der ökologische Teil dieses Gesundheitsprojektes als Mischform aus Ökosiedlung und Ökodorf zu verstehen: Ökologisches Handeln soll kein unbedingtes Muß für alle Lebensbereiche sein, sondern ein anzustrebendes Ziel, dem Zeit zur Entwicklung gegeben werden soll.
● Dorfzentrum, Gemeinsschaftseinrichtungen & Mobilität Ein Anwesen dieser Größe und Vielfalt benötigt gemeinschaftlich nutzbare Bereiche. Eine geräumige Kantine wird gebraucht, eine Information mit Empfangsbereich und einen Bereich für organisatorische und Verwaltungsarbeiten sowie für die notwendige (nicht zu unterschätzende) Öffentlichkeitsarbeit.
An Gemeinschaftsräumlichkeiten zur allgemeinen Benutzung erscheint außerdem ein Dorfcafe mit Tischen im Freien, eine Bibliothek und ein Mehrzweckraum für Filmvorführungen und Fernsehabende sinnvoll. Eine kleine Kapelle wurde von einer jungen Frau aus Minden angeregt.
Also, das Soziale Dorf muss ein soziales und kulturelles Gemeinschaftszentrum, ein Zentrum bekommen. Die nähere Ausgestaltung über das oben Genannte hinaus soll an dieser Stelle offen bleiben. Die oben genannten Gestaltungsanregungen vermitteln einen Eindruck, wie das Dorfzentrum später aussehen soll.
Ein weiterer Punkt soll an dieser Stelle angesprochen werden, da es sich auch um eine gemeinschaftlich zu lösende Aufgabe handelt. Es geht um die Mobilität der BewohnerInnen, ein nicht zu unterschätzender Punkt.
Die allermeisten Menschen in Hartz IV oder vergleichbarer Einkommenssituation haben kein eigenes Kraftfahrzeug. Busverbindungen sind in ländlichen Gebieten zwar meist vorhanden, allerdings verkehren diese häufig nur in mehrstündigen Abständen.
Man wird nicht darum herum kommen, Fahrten in den nächstgelegene Stadt oder die Kreisstadt Minden mit einem Kraftfahrzeug zu unternehmen. Ohne Auto wird es nicht gehen.
Die Lösung des Problems heisst Carsharing, und diese Lösung scheint eine recht praktikable zu sein - mehr dazu hier.
● Gemeinschaftswohnen & Gesundheitsprojekt Es gibt verschiedene Formen gemeinschaftlichen, oft in Nachbarschaften organisierten Wohnens. Die bekannteste Form, reine Ökodörfer bzw. Ökosiedlungen, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein.
Die Besonderheit dieserGemeinschafts- und Lebensraumidee ist, daß es sich schwerpunktmäßig an Menschen richtet, die von Langzeitarbeitslosigkeit oder vergleichbaren Lebensumständen - Erwerbsunfähigkeit in Grundsicherung nach SGB 12, Geringverdienst, Selbständigkeit mit aufstockendem ALG2, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit - betroffen sind und für längere Zeit einen Lebensraum brauchen, um Abstand zu gewinnen, wieder Lebensmut zu fassen, Lebenskräfte und ein neues Selbstvertrauen aufzubauen.
Beim Sozialen Dorf handelt es sich auch um ein Gesundheitsprojekt, das sich an der schwierigen Lebenslage von Langzeiterwerbslosen orientiert.
Die Betroffenenen brauchen meist viel Zeit und Gelegenheit zur persönlichen Regenerierung, ggf. und auf eigenen Wunsch mit naturheilkundlicher, der Unterstützung durch Sozialarbeiter oder anderer.
Es gibt keinelei Verpflichtung zu Tätigkeiten oder Mithelfen auf dem Hof. Jede Mitwirkung, Mithilfe geschieht auf rein freiwilliger Basis. Die Philosophie des Dorfes setzt hier auf die natürlichen, ureigenen Antriebskräfte der Menschen.
● Das Zukunftsthema Prävention (Gesundheitsvorsorge) Die Aufgabe Vorsorge (Prävention) im Gesundheitswesen - besonders dabei die Primärprävention bei benachteiligten Gruppen, ist derzeit nicht in der aktuellen öffentlichen Diskussion, unter Fachleuten aber als Zukunftsaufgabe seit Jahren bekannt.
Ein soziales & ökologisches Wohnprojekt wie dieses bietet sich für Forschungen in der Gesundheitsvorsorge an. Mit dem Sozialen Dorf hier soll ein Lebensraum- und Gesundheitsprojekt entstehen, das auch erfahrungswissenschaftlichem Arbeiten entgegenkommt und in der besonderen Ausgestaltung in Deutschland wohl kein zweites Mal anzutreffen sind.
Die Primärprävention bei sozial Benachteiligten wäre nur ein mögliches Forschungsgebiet. Weitere vorstellbare aus dem Bereich Gesundheitwesen wären beispielsweise die Auswirkungen vollständig ökologischer Ernährung, nachhaltig-ökologischer Lebensbedingungen und eines sozial-nachhaltig gestalteten Lebensraumes.
Wie man sieht auch vorstellbar für die Nachhaltigkeitsforschung.
Dieser Gedanke war es übrigens, der dazu führte, daß schon zu Anfang eine Landherberge mit Seminarräumen in die Projektidee eingefügt wurde - ein paar Sätze zur Herberge weiter unten.
Die Lage des beabsichtigten Sozialen Dorfes in einem Landkreis der Gesundheitsregion OWL passt sicher gut in die regionale Entwicklungsstrategie für Ostwestfalen-Lippe.
● Beschäftigung: Dauerhafte Arbeitsplätze Erwerbsfähigen BewohnerInnen in ALG1 oder ALG2 stehen im Sozialen Dorf eine Auswahl an Möglichkeiten der Teilnahme an Dorfaktivitäten wie auch des Wiedereinstiegs in dauerhafte entlohnte Arbeit bereit.
Das können konkret Tätigkeiten auf dem Ökobauernhof, im Hofladen, dem Werkstattbereich, in der Organisation und Verwaltung, der eigenen Gemeinschaftskantine oder in anderen Bereichen sein.
Die Anzahl an Arbeitsstellen, die in den verschiedenen Bereichen des Dorfes entstehen, kann an dieser Stellen nur grob geschätzt werden. Als Anhaltspunkt soll hier unverbindlich die Zahl von 15 - 20 Vollzeitstellen sowie etwa 10 - 20 Teilzeit- oder Saisonbeschäftigungen genannt werden.
Bei Bedarf ist sicher überlegenswert, für interessierte "Auswärtige" eine Stelle für ein Praktikum oder soziales Jahr einzurichten. Im Sinne ökonomischer Nachhaltigkeit ist gegenüber PraktikantInnen bzw. FSJlerInnen auf fairen materiellen Ausgleich, sprich Unterkunft, Verpflegung und / oder finanzielle Entlohnung zu achten - was in der heutigen Zeit viel zu oft nicht der Fall ist.
Nachhaltigkeit bedeutet auch Fairness gegenüber MitarbeiterInnen!
Geselligkeit und Feiern - auch das kann nachhaltig sein
● Nachhaltigkeit - vor allem soziale Nachhaltigkeit .. Das Soziale Dorf wird in allen Bereichen nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit gestaltet. Das erklärte Ziel ist ein Zukunftsprojekt konsequenter sozialer, ökologischer und volkswirtschaftlicher Nachhaltigkeit in ländlicher Gegend.
Im Drei-Säulen-Modell bedeutet Nachhaltigkeit "das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, sozialen und wirtschaftlichen Zielen". Oft genug aber wird Nachhaltigkeit fälschlicherweise auf die Diskussion um die Erhaltung von Umwelt und Natur reduziert. Der Begriff Soziale Nachhaltigkeit ist daher weniger bekannt, Nachhaltigkeitsziele oft nur sehr allgemein formuliert oder auf einzelne Personengruppen beschränkt.
Das zentrale Anliegen dieser Dorfidee ist ein sozial nachhaltiges Wohn- und Lebensraumprojekt im ländlichen Raum von Minden-Lübbecke. Das Wohlergehen von Arbeitslosen und anderen von Armut betroffenen Menschen - und damit ihr körperlicher & seelischer Gesundheitszustand - ist das zentrale Ziel dieser Nachhaltigkeitsaufgabe.
Der Projektansatz Soziales Dorf ist multikulturell, generationsübergreifend und offen für Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten (multisozial). Hier kann der arbeitslose männliche Single über 50 genauso leben wie der überzeugte Natur- & Ökofreak mit Partnerin, die junge afrikanische Köchin aus dem Sudan mit Ehemann und Kindern, der rollstuhlfahrende Herr im fortgeschrittenen Lebensalter oder die junge Alleinerziehende mit ihren Kiddies.
Das Prinzip der Nachhaltigkeit wird beispielsweise auf die Ernährung durch Versorgung aller DorfbewohnerInnen mit ökologischen Lebensmitteln angewendet. Ein weiteres Beispiel sind umweltfreundliche dorfeigene PKWs und deren Nutzung im Carshing - Mehr zum Thema in einem späteren Beitrag.
Zum Thema Nachhaltigkeit und Bildung sicher erwähnenswert, daß Minden im Sommer 2009 Stadt der UN-Dekade 'Bildung für nachhaltige Entwicklung' 2009 / 2010 geworden ist.
Die deutsche BNE-Kommission hatte die Stadt Minden regelrecht zur Bewerbung als Minden im Sommer 2009 Dekadestadt gedrängt. Der Hintergrund ist, daß es in der Stadt nicht weniger als fünf anerkannte UN-Dekadeprojekte gibt, und überhaupt soziales, bürgerschaftliches Engagement besonders der Oberen Altstadt von Minden eine lange Tradition hat.
Der Ideengeber für das Soziale Dorf wohnt rein zufällig auch dort.
Workshop über Solidarische Ökonomie, Sozialforum 2007 in Cottbus
● Anderes Wirtschaften: Die sog. Soziale Ökonomie Die Idee Soziales Dorf beinhaltet auch wirtschaftliche Aktivitäten wie den Ökobauernhof, Hofladen und ggf. auch den Anbau von Heilkräutern für naturheilkundliche Verwendung. Das Wirtschaften soll dabei nach dem Muster sog. Sozialer Unternehmen (Soziale Betriebe) verwirklicht werden.
Das andere Wirtschaften sozialer Unternehmen ist vor vielen Jahren unter dem Eindruck anhaltender Massenarbeitslosigkeit in Deutschland entstanden, und mit dem Ziel unterhaltssichernde Dauerarbeitsplätze zu schaffen.
Die Besonderheit der Sozialen Ökonomie (Solidarische Ökonomie) gegenüber der normalen Privatwirtschaft ist, daß auf ein Erwirtschaften von Gewinnen verzichtet wird bzw. Unternehmensprofite explizit nicht im Vorgrund stehen.
● Soziales und Ökodorf auch offen für andere ..... Für Schulen aus dem Kreis kann die Möglichkeit bereitgestellt werden, daß Kinder / Schulklassen das Soziale und ökologische Dorf regelmäßig als Lern-Spielort nutzen können - selbst und besonders auch während der Entstehungsphase des Sozialdorfes - eine meiner Ansicht nach sehr reizvolle Ergänzung für Grundschulen und Hauptschulen mit offenen Ganztag.
Die moderne Pädagogik bemüht sich immer mehr, individuell auf Kinder einzugehen, auch die Fähigkeiten jenseits des Klassenzimmer in den Erziehungsauftrag einzubeziehen. Die Mindener Eine-Welt-Schule beispielsweise hat sich damit bereits einen Namen gemacht.
Was bietet sich da mehr an, als ein großräumiger sozial & ökolögischer Lern-Spielort auf dem Lande als Ausgleich zum geschlossenen Klassenzimmer ?
Grundsätzlich soll das Projekt multikulturell ausgestaltet sein, für Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten (multisozial) offen und generationsübergreifend sein - eben auch für ganz kleine und Schulkinder wie auch für junge Leute in der schulischen Bildung, in Praktikum oder Ausbildung.
● Landherberge: Weitergabe von Erfahrungen an interessiertes Fachpublikum und ..... Die Konzeption des Sozialen Dorfes stellt ein Pilotprojekt der sozialen Nachhaltigkeit dar, das in der konsequenten Umsetzung von Betroffenenerfahrungen in Deutschland vermutlich einzigartig ist.
Hier gilt es gemachte Erfahrungswerte weiterzuvermitteln, Einzelheiten mit interessierten Fachleuten vor Ort diskutieren zu können und breite Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Kurz, es werden Unterkünfte benötigt, die für mehrtägige Besuche auch von Gruppen Übernachtungsmöglichkeiten bereitstellt.
Darüberhinaus werden für Vorträge und Vorführungen, für stundenweise Diskussionen bis zu mehrtägigen Lehrgängen Seminar- und Mehrzweckräume benötigt.
● Landherberge: ... Ferien auf dem Bauernhof Ein Angebot an Ökogastronomie in einer Landherberge würde dem Mühlenkreis ein neuartiges Angebot schaffen, das auch aus touristischer Sicht reizvoll ist. Tages- / Wochenendbesuche oder Kurzurlaube im sozialen Ökodorf dürften sicher für nicht wenige Menschen interessant sein.
Ob ein umfangreiches Angebot 'Ferien auf dem Bauernhof' dazu kommt, muß noch genauer überlegt werden ...
NACHTRAG:
Inzwischen gibt es eine Idee 'Ferien auf dem Bauernhof für Menschen in ALG2, Sozialgeld bzw. Grundsicherung nach SGB12'. Der Beitrag dazu ist hier nachzulesen.
● Entwicklungshilfe für die ländliche Nahregion Ein soziales und Ökodorf dieser Art kann allein durch seine Einzigartigkeit die Entwicklung der Nahregion auf Dauer erkennbar verbessern. Die andere Wirtschaften der Sozialen Ökonomie, Ökoanbau und Nachhaltigkeit setzen in der ländlichen Umgebung neue Impulse bzw. unterstützen ggf. vorhandene Entwicklungen.
Der Hofladen steht selbstverständlich auch Nicht-Sozialdorflern zum Einkauf von Bioprodukten offen, ebenso die Landherberge für die Abendstunden.
Die Kantine für die BewohnerInnen mit ihrem breiten Angebot an Bio-Gerichten könnte an Abenden und am Wochenende als Landgasthaus dienen.
Das wäre sicher sehr im Sinne des Gedankens offen-für-andere, muß in seinen Auswirkungen allerdings noch genauer durchdacht und diskutiert - auch eine Aufgabe für die permakulturelle Betrachtung.