Erholung von Arbeitslosigkeit und Ämterstreß: Ferien auf dem Öko-Bauernhof
Im Gespräch mit Steffi in Oberen Altstadt von Minden entstanden
Eine Vorstellung, die man selbst unter extremen Hartz IV-Kritikern bisher selten vernommen hat - und wenn, dann auch nur andeutungsweise: Urlaub für Menschen mit Armutseinkommen, in Hartz IV (ALG2), Grundsicherung (SGB12), Geringverdienst oder vergleichbar.
Von Detlef Müller
In den Urlaub fahren mit Hartz IV .. ??? - undenkbar!
Gespräch beim Einkaufen Wie das halt so ist, die besten Ideen entstehen beim zwanglosen Plaudern ...
Beim Einkaufen treffe ich Steffi mit ihrer Tochter Sara (10), erzähle ihr von Frau Holler, der jungen ehemaligen Pfarrerin der Simeoniskirche. Die hatte tags zuvor angerufen wegen Bildern von der Ausstellung 'Kunst trotz(t) Armut'.
Schließlich spreche ich Steffi auf die Idee Soziales Dorf bei uns im Kreis Minden-Lübbecke an.
Nein, umziehen und auf dem Land leben, das wäre für sie nichts. Steffi möchte in der Stadt bleiben, hier in der Oberen Altstadt.
Sie hat inzwischen ein paar Teilzeitjobs, unter anderem als Hilfe bei der Offenen Kirche St. Simeonis. Dort finden nicht selten Ausstellungen oder andere sozial-kulturelle Veranstaltungen statt wie der Eine-Welt-Monat im Mai 2008.
Dabei gibt einiges zu tun. Und die Arbeit macht ihr Spaß.
Aus dem Leben in schwierigen Einkommensverhältnissen kommt die beiden damit trotzdem nicht heraus; die Not ist immernoch da - trotz mehrerer Teilzeit-Jobs.
Urlaub für Betroffene .. ? - nicht mit dem Regelsatz! Mir kommt ein anderer Gedanke .. wie wäre es, im Sozialen Dorf später ein Wochenende zu verbringen, oder einen kurzen Erholungsurlaub machen, nach dem Muster Ferien auf dem Bauernhof. Ist das interessant ?
Ja, das könnte sich Steffi vorstellen, gut vorstellen sogar.
Und schon sind wir in der richtigen Spur!
Wir sprechen darüber, daß sich Hartz IV-EmpfängerInnen Urlaub oder Ähnliches nun überhaupt nicht leisten können. Steffi beispielsweise war mit Sara zusammen noch nie im Urlaub! Das würden die beiden aber gern.
Für Sara ist die Vorstellung, Ferien auf dem Bauernhof noch recht befremdlich. Sie ist unsicher, lehnt erstmal ab.
Beim weiteren Plaudern darüber fragt sie dann, ob man dort von den Hühnern geweckt wird ... Nun, vielleicht kann man Sara ggf. doch noch überzeugen, es bestehen Chancen.
Ihre Mutter ist inzwischen erkennbar von der Idee angetan Ferien machen zu können - für das ganz kleine Geld der alleinerziehenden Hartz IV-Bezieherin.
Vielleicht für die Kosten von ein paar Euro inklusive Verpflegung pro Tag, sage ich so, nur um mal eine Zahl zu nennen.
Ja, das erscheint aus Sicht von Steffi finanziell machbar.
Eine Idee ist geboren ...
Idee: Ferien von Hartz IV für Betroffene
Ferien aus dem Bauernhof - mit Hartz IV Ganz klar, diese Idee ist jetzt da. Und es ist eine sachgerechte und vernünftige, eine menschliche Idee. Nach den Erfahrungen von Erwerbsloseninitiativen gibt es einen immensen Bedarf an Erholung von Hartz IV.
So wie sich die Hartz IV-Diskussion in diesen Wochen entwickelt, denke ich, daß die Zeit gekommen ist, Menschen in Armut ein klein wenig Urlaub vom überharten Alltag in Arbeitslosigkeit, Nichtwerbsfähigkeit oder Geringverdienst zu ermöglichen.
Dazu bedarf es der entsprechenden Möglichkeiten, und / oder eines Soziales Dorfes im Mühlenkreis.
"Keine Armee kann eine Idee
aufhalten, deren Zeit gekommen ist."
Dieses Ziat von Viktor Hugo fällt mir ganz
spontan ein. Überlege, ob man es zum Leitsatz
für die gesamte Projektidee machen sollte .. !?
Natur ist sicher gut für Erholung ...
Erholung von Arbeitslosigkeit und Bewerbungsstreß, von Hartz IV, Hoffnungslosigkeit und Armut Das Leben in Hartz IV-Arbeitslosigkeit bedeutet mehrfachen Streß. Kein Job, kein Geld und viele erfolglose Bewerbungen - das alles lässt schnell Hoffnungslosigkeit entstehen, Resignation und dessen schwere Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit breiten sich aus.
Hier ist Erholung dringend notwendig!
Dieser Beiträg schlägt vor, beispielsweise im Sozialen Dorf - natürlich kann das auch an anderen Orten entstehen - Ferien auf dem Bauernhof für sozial Benachteiligte anzubieten. Wichtig dabei zu allererst natürlich, daß es für die Betroffenen bezahlbar ist.
Beim Schreiben dieses Beitrages kommen mir 5 - 10 Euro täglich inklusive voller Verpflegung als Anhaltspunkt in den Sinn. Wenn dann noch Probleme bestehen, den Gesamtbetrag aufzubringen - besonders beispielsweise bei Familien mit vielen Kindern, müßte man sehen, ob eine soziale Organisation, ein Wohlfahrtsverband oder Stiftung helfen kann.
Bei größerer Entfernung ist die Anreise ein gravierender Kostenpunkt. Hier könnten Gespräche mit der Bahn geführt werden, ob diese ggf. im Rahmen gesellschaftlichen CSR-Engagements kostenlose Anfahrten per Bahn bereitstellt. Die Kosten wäre für Unternehmen der Größe eher vom Typ Portokasse.
Eine denkbare Alternative ist die Nutzung von Mitfahrgemeinschaften.
.. Wasser auch - das Wasserstraßenkreuz
Es kann sich dabei um mehrwöchigen Erholungsurlaub handeln, um einen einwöchigen oder Wochenendaufenthalt. Jede Zeitdauer bis zu einigen Wochen ist grundsätzlich denkbar.
Sollte es aus gesundheitlichen Gründen notwendig sein, kann das auch länger sein. Dazu ist die Projektidee Gemeinschaftswohnen im Sozialen Dorf Mühlenkreis ja entstanden.
Das Angebot sollte vollständige ganztägige Verpflegung enthalten, mit keinerlei versteckten Zusatzkosten verbunden sein (Eintrittkarten, Busfahrten bei Ausflügen etc.).
Das würde den Aufenthalt für den superengen Geldbeutel des Betroffenen zu einem unkalkulierbaren Risiko machen. Notfalls sollte auch hier über Kostenhilfe bei wohltätig arbeitenden Organisationen nachgefragt werden.
Landherberge: Bereits Teil der Projektidee In der Projektidee Soziales Dorf ist die Ansiedlung von Heilpraktikern, naturheilkundlichen Ärzten enthalten. Vorgesehen ist dies, um die Behandlungsmöglichkeiten durch alternative Medizin anzubieten. Langzeiterwerbslose leiden oft unter gravierenden chronischen Gesundheitsbeschwerden, wo erfahrungsgemäß nur natürliche Heilmittel Aussicht auf Besserung bieten.
Dadurch entsteht neue Erfahrungswissen über die Komplementärmedizin, auch im Bereich Primärprävention. Um dieses Wissen weiterzuvermitteln, wurde eine mehr oder weniger große Landherberge vorgesehen.
Mit der neuen Idee zeigen sich die Entwicklungsmöglichkeiten von sinnvollen Denkansätzen.
Denn die Möglichkeiten für 'Ferien auf dem Bauernhof' sind in der Projektidee bereits vorhanden. Hier braucht kein neuer Bereich hinzugefügt werden. Ein Übernachten wäre notfalls sogar im Gemeinschaftswohnbereich möglich.